Christof Wackernagel

Biography

Christof Michael Wackernagel (* 27. August 1951 in Ulm) ist ein deutscher Schauspieler und Schriftsteller. Er war Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF). Wackernagel ist das Kind des Künstlerehepaars Peter (1907–1958), Intendant am Ulmer Theater, und Erika Wackernagel (1925–1995), Schauspielerin. Bereits mit sieben Jahren wurde er Halbwaise, als der Vater verstarb. 1960 zog die Mutter mit Christof und seiner Schwester Sabine nach München und heiratete 1961 einen Architekten. Das Gymnasium verließ Wackernagel vorzeitig und spielte 1967 seine erste Hauptrolle in dem Film Tätowierung. Mit Tätowierung nahm er am Wettbewerb der Berlinale 1967 teil. Es folgten weitere Rollen. Im Sommer 1977 tauchte Wackernagel, der seit geraumer Zeit mit der RAF sympathisierte, unter. Im November des Jahres wurde er in Amsterdam festgenommen. Nach Verbüßung einer Haftstrafe kam er 1987 auf Bewährung frei und wurde zunächst wieder für Rollen gebucht. Ab 1991 ebbte der anfängliche Erfolg ab; nach Wackernagels Meinung war der „Terroristen-Voyeurismus“ [1] vorbei. Nur langsam kehrte der Erfolg zurück. Seit Mitte der 1990er Jahre ist Wackernagel wieder in verschiedenen TV-Serien, TV-Filmen und Kinofilmen zu sehen. Zudem schreibt er Bücher und Dramen, malt, produziert Hörspiele und engagiert sich auch wieder politisch. 1992 wurde Wackernagel mit dem „Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur“ ausgezeichnet. Seine Schwester Sabine Wackernagel (* 1947 in Stuttgart) und deren Tochter Katharina Wackernagel (* 1978 in Freiburg) sind erfolgreiche Schauspielerinnen. 2007 erschien ein Dokumentarfilm seines Neffen Jonas Grosch über ihn mit dem Titel Der Weiße mit dem Schwarzbrot, der die Lebensgeschichte Wackernagels mit seinem heutigen Leben in Bamako, der Hauptstadt Malis, verquickt. Wackernagel kam Anfang der 1970er Jahre nach Stuttgart und übte zwischen Filmangeboten mehrere Hilfstätigkeiten aus, um sein Auskommen zu sichern. Inzwischen hatte er sich in der linken Szene etabliert und sympathisierte mit den RAF-Gefangenen im Gefängnis Stammheim. In das Umfeld der RAF-Szene gelangte er durch Kontakt mit Klaus Croissant. Während dieser Zeit eröffnete Wackernagel auch eine Druckerei, in der er unter anderem Artikel der Sympathisantenszene produzierte. Zudem drehte er politische Videofilme. Im Sommer 1977 entschied sich Wackernagel endgültig für die RAF und tauchte unter. Nach der Entführung von Hanns Martin Schleyer am 5. Oktober wurde Wackernagel als RAF-Mitglied steckbrieflich gesucht. Am 10. November 1977, kurz nach dem „Deutschen Herbst“, geriet er, gemeinsam mit Gert Schneider, in Amsterdam in eine Schießerei mit der Polizei, bei der sowohl die beiden Flüchtigen als auch drei Polizeibeamte verletzt wurden. Nach seiner Überstellung wurde Wackernagel am 15. Oktober 1980 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Mordversuchs und Mitgliedschaft in der RAF zu 15 Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis begann Wackernagel mit dem Schreiben und veröffentlichte einen Roman und einen Gedichtband. 1983 distanzierte er sich von der RAF. Ab 1984 trat mit Claus Peymann, damals Intendant am Bochumer Schauspielhaus, ein prominenter Fürsprecher Wackernagels für eine vorzeitige Entlassung auf und sorgte damit für politische Schlagzeilen, da sich vor allem Bernhard Worms, der CDU-Fraktionsvorsitzende im nordrhein-westfälischen Landtag, dagegen aussprach. Auch der Polizist, der ihn festgenommen hatte, Herman van Hoogen, plädierte für seine vorzeitige Entlassung. 1986 kam Wackernagel in den offenen Vollzug und konnte ab August als Regie- und Dramaturgieassistent am Bochumer Schauspielhaus arbeiten. Nachdem er zwei Drittel der Strafe verbüßt hatte, wurde Wackernagel 1987 unter Auflagen aus der Haft entlassen.

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